Wer Software entwickeln lassen will, fragt meistens zuerst nach dem Preis. Verständlich — aber die Antwort darauf entsteht nicht beim Entwickler, sondern beim Auftraggeber. Ob ein Projekt 20.000 oder 60.000 Euro kostet, ob es im Zeitplan bleibt und ob am Ende das herauskommt, was gebraucht wurde, entscheidet sich zum großen Teil in den Wochen, bevor die erste Zeile Code geschrieben wird.

Ich entwickle seit 2015 Software für mittelständische Unternehmen, und die Projekte, die schiefgehen, scheitern fast nie an der Technik. Sie scheitern an einem Auftrag, der eine Lösung beschreibt statt eines Problems, an Angeboten, die sich nicht vergleichen lassen, und an Fragen, die erst bei der Abnahme gestellt werden. Dieser Leitfaden geht den Ablauf aus Ihrer Sicht durch: was Sie in jedem Schritt tun müssen, wie viel Zeit das kostet — und wie ein Lastenheft aussieht, mit dem ein Entwickler wirklich arbeiten kann.

Software entwickeln lassen: die 7 Schritte im Überblick

Die Zeitangaben beziehen sich auf ein typisches Mittelstandsprojekt — eine Anwendung für einen Kernprozess mit ein bis zwei angebundenen Systemen. Der Aufwand steht jeweils für Ihre Seite, nicht für die des Entwicklers.

  1. Schritt 11–2 Tage intern

    Problem und Ziel klären

    Welcher Ablauf tut heute weh, was kostet er, und woran merken Sie in einem Jahr, dass sich die Software gelohnt hat? Dazu die ehrliche Frage, ob es nicht doch eine fertige Lösung gibt.

  2. Schritt 22–5 Tage intern

    Lastenheft schreiben

    Was die Software leisten muss, wer sie nutzt, an welche Systeme sie angebunden wird und woran Sie das Ergebnis abnehmen. Ohne Technik, aber mit Zahlen.

  3. Schritt 31–3 Wochen

    Anbieter auswählen

    Zwei bis drei Anbieter, ein Gespräch mit jedem, dieselben Fragen. Nicht der niedrigste Preis entscheidet, sondern wer Ihren Ablauf verstanden hat.

  4. Schritt 41–2 Wochen

    Konzept und Angebot

    Der Anbieter übersetzt das Lastenheft in Konzept, Datenmodell und im besten Fall einen klickbaren Prototyp. Erst danach ist ein belastbarer Festpreis möglich.

  5. Schritt 5wenige Tage

    Vertrag schließen

    Vertragstyp, Nutzungsrechte, Quellcode, Abnahme, Wartung, Datenschutz. Fünf Punkte, die in kein Projekt ungeregelt gehören.

  6. Schritt 62–4 Std. pro Woche

    Entwicklung begleiten

    Fester Ansprechpartner, regelmäßige Demos, echte Testdaten. Ihr Zeitaufwand ist hier klein, aber er entscheidet über das Ergebnis.

  7. Schritt 71–2 Wochen

    Abnahme und Betrieb

    Gegen die Abnahmekriterien aus dem Lastenheft testen, Daten übernehmen, Mitarbeiter schulen — und vorher klären, wer danach Updates einspielt.

Schritt 2 ist hervorgehoben, weil er den größten Hebel hat und am häufigsten übersprungen wird. Ein gutes Lastenheft macht Angebote vergleichbar, hält den Festpreis stabil und liefert am Ende die Kriterien, an denen Sie das Ergebnis abnehmen.

Schritt 1: Das Problem beschreiben, nicht die Lösung

Der häufigste Satz in Erstgesprächen ist „Wir brauchen eine App". Das ist eine Lösung. Was ein Entwickler braucht, ist das Problem dahinter: „Unsere Monteure schreiben Stundenzettel auf Papier, das Büro tippt sie jeden Freitag ab, und Rechnungen gehen deshalb erst zwei Wochen nach dem Einsatz raus." Aus diesem Satz lassen sich drei verschiedene Lösungen ableiten — und vielleicht ist eine App gar nicht die günstigste.

Beschreiben Sie deshalb zuerst, was heute passiert, was es kostet und woran Sie in einem Jahr merken würden, dass sich die Investition gelohnt hat. Eine Zahl reicht: Stunden pro Woche, Fehler pro Monat, Tage bis zur Rechnung. Diese Zahl ist später auch das Argument gegenüber der Geschäftsführung — und der Maßstab, an dem Sie das Projekt messen.

Zu diesem Schritt gehört die ehrliche Frage, ob Sie überhaupt etwas entwickeln lassen sollten. Wenn eine Standardsoftware 90 Prozent Ihrer Anforderungen abdeckt, ist sie fast immer die bessere Wahl. Wie Sie das prüfen, habe ich im Vergleich Standardsoftware vs. Individualsoftware ausführlich beschrieben. Ein guter Entwickler sagt Ihnen das übrigens auch selbst, wenn es so ist.

Schritt 2: Das Lastenheft — was hineingehört

Das Lastenheft ist das Dokument, in dem Sie als Auftraggeber festhalten, was die Software leisten soll. Es beschreibt Anforderungen aus Sicht Ihres Unternehmens — was und wofür, nicht wie. Technische Entscheidungen gehören nicht hinein; die trifft der Entwickler und hält sie im Pflichtenheft oder Konzept fest.

Viele Unternehmen schrecken davor zurück, weil sie an 80-seitige Dokumente aus Konzernausschreibungen denken. Das ist für ein Mittelstandsprojekt weder nötig noch hilfreich. Für eine Software im Bereich von 15.000 bis 40.000 Euro reichen nach meiner Erfahrung drei bis acht Seiten — wenn die richtigen zehn Punkte drinstehen. Die drei wichtigsten davon werden am häufigsten vergessen:

  • Das Mengengerüst. 60 Bestellungen am Tag oder 6.000 machen einen erheblichen Unterschied in der Architektur — und im Preis. Ohne Zahlen rechnet jeder Anbieter mit eigenen Annahmen, und die Angebote sind nicht vergleichbar.
  • Die Abgrenzung. Was gehört ausdrücklich nicht dazu? Dieser Abschnitt verhindert die meisten Streitigkeiten, weil er Erwartungen sichtbar macht, die niemand ausgesprochen hat.
  • Die Abnahmekriterien. Woran prüfen Sie, ob die Software fertig ist? Wer das erst bei der Abnahme festlegt, verhandelt dann unter Zeitdruck.

Teilen Sie die Funktionen außerdem in Muss, Soll und Kann ein. Wenn alles „Muss" ist, gibt es keinen Spielraum, um im Budget zu bleiben. Ein ehrliches „Kann" erlaubt dem Entwickler, Ihnen eine günstigere erste Version anzubieten, die den Kern abdeckt und später wächst.

Lastenheft-Beispiel: Auftragserfassung automatisieren

Das folgende Beispiel ist fiktiv, aber typisch für Anfragen, wie ich sie bekomme: Ein Großhändler will Bestellungen, die per E-Mail kommen, nicht mehr abtippen. Die zehn Abschnitte können Sie als Vorlage übernehmen — die Leitfrage sagt, was hinein muss, der Beispieltext zeigt, wie konkret es sein sollte.

01

Ausgangslage

Wie läuft der Prozess heute, und was kostet er?

Kunden bestellen per E-Mail, meist als PDF, rund 60 Bestellungen am Tag. Zwei Mitarbeiterinnen im Innendienst tippen jede Bestellung von Hand in die Warenwirtschaft ab, im Schnitt vier Minuten pro Bestellung — zusammen rund vier Stunden täglich. Etwa jede fünfzigste Bestellung enthält einen Tippfehler, der erst bei der Lieferung auffällt.

02

Ziel

Woran messen wir in einem Jahr, ob es sich gelohnt hat?

Bestellungen aus E-Mail und PDF werden automatisch erkannt und als Auftragsentwurf in der Warenwirtschaft angelegt. Der Innendienst prüft und gibt frei, statt abzutippen. Ziel: unter einer Minute Bearbeitungszeit pro Bestellung, keine Tippfehler bei Artikelnummer und Menge.

03

Nutzer und Rollen

Wer arbeitet damit, und wer darf was?

Innendienst (2 Personen): prüfen, korrigieren, freigeben. Vertriebsleitung (1 Person): sieht alle Aufträge und die Auswertung. Administrator: Zuordnungsregeln pflegen. Keine Kundenzugänge.

04

Funktionen nach Priorität

Was muss, was soll, was kann die Software?

Muss: Postfach abrufen, PDF auslesen, Kunde und Artikel zuordnen, Auftragsentwurf anlegen, Freigabe mit einem Klick. Soll: Hinweis auf abweichende Preise gegenüber der Preisliste. Kann: tägliche Auswertung der Bestellungen pro Kunde.

05

Bestandssysteme

Mit welchen Systemen muss die Software sprechen?

Warenwirtschaft (Hersteller, Version, Zugang zur Programmierschnittstelle vorhanden: ja/unbekannt), Microsoft-365-Postfach bestellung@…, Artikelstamm mit rund 4.000 Artikeln in der Warenwirtschaft.

06

Mengengerüst

Wie viel, wie oft, wie schnell wachsend?

60 Bestellungen am Tag, in der Saison bis 150. Rund 300 aktive Kunden, etwa 40 verschiedene PDF-Layouts. Wachstum ca. 15 % pro Jahr.

07

Rahmenbedingungen

Was gilt unabhängig von den Funktionen?

Hosting in der EU, Auftragsverarbeitungsvertrag, Zugriff nur aus dem Firmennetz oder mit Zwei-Faktor-Anmeldung. Verfügbar zu Geschäftszeiten; fällt die Erkennung aus, muss weiter von Hand erfasst werden können.

08

Abgrenzung

Was gehört ausdrücklich nicht dazu?

Kein Kundenportal, keine Änderungen an der Warenwirtschaft selbst, keine Bestellungen per Fax oder Telefon. Rechnungsstellung bleibt unverändert.

09

Abnahmekriterien

Woran prüfen wir, ob das Ergebnis fertig ist?

Von 100 echten Bestellungen aus dem Vormonat werden mindestens 90 vollständig richtig erkannt; der Rest wird als „unsicher" markiert, nicht falsch angelegt. Freigabe dauert pro Bestellung unter einer Minute.

10

Budget, Termin, Ansprechpartner

Was ist der Rahmen, und wer entscheidet?

Budgetrahmen 15.000–25.000 Euro, Einsatz vor dem Saisonstart im März. Fachlicher Ansprechpartner: Leitung Innendienst, 3 Std. pro Woche freigestellt. Entscheidung: Geschäftsführung.

Auffällig ist, was in diesem Lastenheft nicht steht: keine Programmiersprache, kein Datenbankname, keine Bildschirmskizzen. Dafür Zahlen, Rollen, Systeme und ein prüfbares Abnahmekriterium. Mit diesen zwei Seiten kann ein Entwickler ein belastbares Angebot machen — und drei Anbieter können Angebote abgeben, die sich tatsächlich vergleichen lassen.

Bemerkenswert an diesem Fall ist auch, dass er vor allem aus einer Schnittstelle besteht: Postfach rein, Warenwirtschaft raus. Solche Projekte sind deutlich kleiner als eine eigene Anwendung mit vielen Masken. Was es kostet, eine Schnittstelle programmieren zu lassen, habe ich auf einer eigenen Seite mit Festpreisen aufgeschlüsselt.

Lastenheft und Pflichtenheft: der Unterschied

Die beiden Begriffe werden ständig verwechselt, obwohl die Aufteilung einfach ist: Das Lastenheft kommt vom Auftraggeber, das Pflichtenheft vom Auftragnehmer.

Lastenheft

Was und wofür

  • Schreibt: der Auftraggeber
  • Inhalt: Ziele, Anforderungen, Rahmen, Abnahmekriterien
  • Sprache: fachlich, aus Sicht des Unternehmens
  • Zeitpunkt: vor der Anfrage beim Anbieter
Pflichtenheft

Wie und womit

  • Schreibt: der Auftragnehmer
  • Inhalt: Umsetzung, Datenmodell, Oberflächen, Schnittstellen, Technik
  • Sprache: technisch, aber für Sie prüfbar
  • Zeitpunkt: nach dem Lastenheft, vor oder mit dem Angebot

In agilen Projekten tritt an die Stelle des klassischen Pflichtenhefts oft ein Konzept mit Datenmodell und klickbarem Prototyp, ergänzt um eine priorisierte Liste der Funktionen. Das ist kein Nachteil: Ein Prototyp, den Sie selbst durchklicken können, deckt Missverständnisse schneller auf als jedes Dokument. Das Lastenheft brauchen Sie trotzdem — es ist der Maßstab, an dem sich Konzept und Ergebnis messen lassen.

Schritt 3: Anbieter auswählen — 5 Fragen, die mehr verraten als Referenzen

Schicken Sie Ihr Lastenheft an zwei bis drei Anbieter, nicht an zehn. Mehr Angebote machen die Entscheidung nicht besser, nur länger. Führen Sie mit jedem ein Gespräch und stellen Sie allen dieselben Fragen:

Frage 1

Was haben Sie an meinem Lastenheft nicht verstanden?

Wer keine Rückfragen hat, hat es entweder nicht gelesen oder rechnet mit Nachträgen. Gute Anbieter finden die Lücken, bevor sie Geld kosten.

Frage 2

Wer entwickelt konkret — und wer ist mein Ansprechpartner?

Verkauft wird oft von anderen Leuten, als später programmieren. Fragen Sie nach Namen, nicht nach Teamgrößen.

Frage 3

Wie oft sehe ich lauffähige Zwischenstände?

Alle ein bis zwei Wochen ist ein guter Wert. Wer erst nach drei Monaten etwas zeigt, korrigiert Missverständnisse zum teuersten Zeitpunkt.

Frage 4

Was passiert nach dem Go-Live?

Wer spielt Sicherheitsupdates ein, wer reagiert bei Fehlern, zu welchen Kosten? Die Antwort sagt mehr über den Anbieter als jede Referenz.

Frage 5

Bekomme ich den Quellcode, und kann ein anderer weiterarbeiten?

Wenn die Antwort zögert, ist das Ihr Lock-in. Sie wollen Quellcode, Dokumentation und Zugänge — auch für den Fall, dass Sie sich trennen.

Ob Agentur, Softwarehaus oder einzelner Entwickler, ist dabei zweitrangig. Größere Anbieter bringen Vertretung und Spezialisten mit, kleinere kürzere Wege und weniger Übergaben. Wichtiger ist, dass die Person, mit der Sie über Ihren Ablauf sprechen, auch die ist, die ihn später in Software übersetzt. Liegen die Angebote weit auseinander, fragen Sie nach: Meist hat einer der Anbieter etwas anderes verstanden — oder etwas weggelassen, das später als Nachtrag kommt.

Schritt 4: Festpreis oder Abrechnung nach Aufwand?

Beide Modelle sind seriös, sie verteilen nur das Risiko unterschiedlich.

Festpreis

Risiko beim Entwickler

Planbares Budget, klares Ergebnis. Funktioniert, wenn der Umfang vor dem Angebot sauber geklärt ist. Änderungswünsche werden zu Nachträgen — deshalb steckt in seriösen Festpreisen ein Puffer.

Nach Aufwand

Risiko beim Auftraggeber

Flexibel, kein Puffer im Preis. Passt, wenn der Umfang noch offen ist oder die Software laufend weiterentwickelt wird. Ohne Budgetdeckel und regelmäßige Stundenberichte kaum zu steuern.

Ein Festpreis ist nur so gut wie die Klärung davor. Ich mache deshalb erst ein Konzept mit klickbarem Prototyp und biete danach einen Festpreis mit Meilensteinen an — Sie wissen also, was Sie bekommen, bevor Sie unterschreiben. Wer Ihnen nach einem Telefonat einen Festpreis für ein komplexes Projekt nennt, hat entweder sehr großzügig gepuffert oder rechnet mit Nachträgen. Das gilt in beide Richtungen: Ein vager Auftrag führt fast immer zu einem teuren Festpreis.

Schritt 5: Was in den Vertrag gehört

Die meisten Konflikte in Softwareprojekten entstehen an Stellen, die im Vertrag nicht geregelt waren. Diese fünf Punkte sollten in keinem Projekt fehlen:

Vertragstyp

Beim Werkvertrag schuldet der Entwickler ein funktionierendes Ergebnis, das Sie abnehmen. Beim Dienstvertrag schuldet er Arbeitszeit. Festpreis und Werkvertrag gehören zusammen; bei Abrechnung nach Aufwand sollte zumindest ein Budgetdeckel drinstehen.

Nutzungsrechte und Quellcode

Ausschließliche, zeitlich unbegrenzte Nutzungsrechte, das Recht zur Bearbeitung durch Dritte und die Herausgabe des Quellcodes samt Dokumentation. Ohne Regelung bekommen Sie im Zweifel nur, was der Vertragszweck zwingend erfordert.

Abnahme

Abnahmekriterien aus dem Lastenheft übernehmen und eine Testphase vereinbaren. Wichtig: Setzt der Entwickler nach Fertigstellung eine angemessene Frist und Sie verweigern die Abnahme nicht unter Angabe mindestens eines Mangels, gilt das Werk als abgenommen.

Wartung und Updates

Wer überwacht Sicherheitslücken in verwendeten Bibliotheken, wer spielt Updates ein, wie schnell, zu welchen Kosten? Für Software, die Sie an eigene Kunden ausliefern, ist das seit der CRA-Meldepflicht keine Kür mehr.

Datenschutz

Verarbeitet der Entwickler oder sein Hosting personenbezogene Daten in Ihrem Auftrag, brauchen Sie einen Auftragsverarbeitungsvertrag. Auch Testdaten aus dem Echtbetrieb sind personenbezogene Daten.

Zwei davon verdienen einen zweiten Blick. Die Nutzungsrechte, weil ohne klare Regelung im Zweifel nur die Rechte übergehen, die der Vertragszweck zwingend erfordert (§ 31 Abs. 5 UrhG) — und das muss nicht das Recht einschließen, die Software von einem anderen Entwickler weiterentwickeln zu lassen. Und die Wartung: Wer Software an eigene Kunden ausliefert, ist seit dem 11. September 2026 nach dem Cyber Resilience Act meldepflichtig, wenn eine Schwachstelle aktiv ausgenutzt wird — auch wenn ein Dienstleister die Software gebaut hat. Was das für beauftragte Software bedeutet, steht im Beitrag zur CRA-Meldepflicht. Was beim Datenschutz zu beachten ist, habe ich unter DSGVO-konforme Software entwickeln zusammengefasst.

Schritt 6: Die Entwicklung begleiten

Während der Entwicklung ist Ihr Zeitaufwand klein, aber er entscheidet über das Ergebnis. Drei Dinge brauchen Entwickler von Auftraggebern am dringendsten:

  • Einen festen Ansprechpartner mit Zeit. Nicht zwingend die Geschäftsführung, sondern die Person, die den Ablauf täglich macht — mit zwei bis vier Stunden pro Woche, die wirklich freigehalten sind. Eine Rückfrage, die eine Woche liegen bleibt, kostet eine Woche.
  • Echte Daten zum Testen. Die zehn schwierigsten Bestellungen aus dem letzten Monat sind mehr wert als hundert erfundene. Sonderfälle, die niemand erwähnt hat, tauchen sonst erst im Echtbetrieb auf.
  • Teilnahme an den Demos. Ich zeige jede Woche einen lauffähigen Stand auf einer Testumgebung. Eine Korrektur in Woche drei kostet eine Stunde, dieselbe Korrektur nach dem Go-Live einen Tag.

Planen Sie außerdem die Datenübernahme als eigenen Arbeitsschritt ein. Excel-Listen und Altbestände sind fast nie so sauber, wie alle glauben — doppelte Kunden, uneinheitliche Schreibweisen, Felder, die über Jahre unterschiedlich genutzt wurden. Wer das bis zur letzten Woche aufschiebt, verschiebt den Go-Live.

Schritt 7: Abnahme und Betrieb

Mit der Abnahme bestätigen Sie, dass die Software im Wesentlichen vertragsgemäß ist. Juristisch ist das ein wichtiger Moment: Ab der Abnahme beginnt in der Regel die Gewährleistungsfrist, und die Beweislast für Mängel verschiebt sich. Prüfen Sie deshalb gegen die Abnahmekriterien aus Ihrem Lastenheft — mit echten Fällen, nicht mit einem Rundgang durch die Oberfläche.

Lassen Sie eine gesetzte Abnahmefrist nicht einfach verstreichen. Nach § 640 Abs. 2 BGB gilt ein Werk als abgenommen, wenn der Auftragnehmer nach Fertigstellung eine angemessene Frist gesetzt hat und Sie die Abnahme nicht innerhalb dieser Frist unter Angabe mindestens eines Mangels verweigern. Kleine Mängel sind dagegen kein Grund, die Abnahme zu verweigern — sie werden protokolliert und nachgebessert.

Nach dem Go-Live beginnt der Teil, an den bei der Planung am seltensten gedacht wird: Hosting, Backups, Sicherheitsupdates und kleine Anpassungen. Rechnen Sie mit laufenden Kosten und vereinbaren Sie diese vorher. Der Vorteil gegenüber Standardsoftware bleibt dabei bestehen: Die Kosten steigen nicht, weil Sie neue Mitarbeiter einstellen.

Was kostet es, Software entwickeln zu lassen — und wie lange dauert es?

Ohne Lastenheft lässt sich diese Frage nur mit Spannen beantworten. Als Orientierung aus meinen Projekten:

  • Einzelne Schnittstelle zwischen zwei Systemen: ab rund 4.000 Euro, umgesetzt in wenigen Wochen.
  • Erste nutzbare Version (MVP) einer eigenen Anwendung: 15.000 bis 40.000 Euro, live in vier bis acht Wochen nach Projektstart.
  • Vollständiges System mit mehreren Modulen, Rollen und Integrationen: 40.000 bis 120.000 Euro, drei bis sechs Monate.

Vor dem Projektstart kommen zwei bis vier Wochen für Klärung, Konzept und Angebot dazu. Den Preis treiben vor allem drei Dinge: die Zahl der anzubindenden Systeme, das Rollen- und Rechtekonzept und die Menge an Sonderfällen in Ihrem Prozess — nicht die Zahl der Bildschirme. Die ausführliche Aufschlüsselung mit laufenden Kosten und Rechenbeispielen steht im Kosten-Guide für Individualsoftware.

Fazit: Die teuerste Phase ist die, die man überspringt

Software entwickeln zu lassen ist für die meisten Unternehmen kein Alltagsgeschäft, und genau das macht es riskant. Die gute Nachricht: Die wichtigsten Weichen stellen Sie selbst, und keine davon erfordert technisches Wissen. Ein klar beschriebenes Problem, ein Lastenheft mit Zahlen und Abnahmekriterien, vergleichbare Angebote und ein Vertrag, der Rechte und Wartung regelt — damit ist der größte Teil des Projektrisikos erledigt, bevor der erste Euro in die Entwicklung fließt.

Wenn Sie schon einen Entwurf haben — und sei es eine halbe Seite —, bringen Sie ihn ins kostenlose Erstgespräch mit. Ich sage Ihnen, was fehlt, ob sich eine Eigenentwicklung lohnt und in welcher Größenordnung sie liegt. Wie ich Individualsoftware entwickle, steht auf der Leistungsseite; einen Termin vereinbaren Sie über die Kontaktseite.

Häufig gestellte Fragen: Software entwickeln lassen

Das Lastenheft schreibt der Auftraggeber. Es beschreibt, was die Software leisten soll und warum — aus Sicht des Unternehmens, ohne technische Lösung. Das Pflichtenheft schreibt der Auftragnehmer auf Grundlage des Lastenhefts. Es beschreibt, wie die Anforderungen umgesetzt werden: Datenmodell, Oberflächen, Schnittstellen, Technik. Kurz: Das Lastenheft fragt „was und wofür", das Pflichtenheft antwortet „wie und womit".

Sie selbst — und das ist auch richtig so. Ein Lastenheft braucht kein Fachchinesisch, sondern Wissen über Ihren Ablauf. Am besten schreibt es die Person, die den Prozess täglich macht, zusammen mit der Person, die das Budget verantwortet. Technische Lücken füllt der Entwickler später im Pflichtenheft oder im Konzept.

Für ein typisches Mittelstandsprojekt im Bereich von 15.000 bis 40.000 Euro reichen nach meiner Erfahrung drei bis acht Seiten. Entscheidend ist nicht die Länge, sondern dass Ziel, Muss-Anforderungen, Bestandssysteme, Mengengerüst und Abnahmekriterien drinstehen. Ein Lastenheft mit 60 Seiten Detailwünschen ist oft schlechter als eines mit fünf Seiten und klaren Prioritäten.

Ja, aber ein schlankeres. Auch agil arbeitende Entwickler brauchen Ziel, Rahmen, Muss-Funktionen, Bestandssysteme und Budget, um überhaupt ein Angebot machen zu können. Was entfällt, ist die Detailtiefe: Einzelne Masken und Sonderfälle werden in den Sprints geklärt, nicht vorab auf Papier.

Eine erste nutzbare Version (MVP) liegt typischerweise zwischen 15.000 und 40.000 Euro, vollständige Systeme mit mehreren Modulen und Integrationen zwischen 40.000 und 120.000 Euro. Eine einzelne Schnittstelle zwischen zwei Systemen beginnt bei rund 4.000 Euro. Den größten Einfluss haben die Zahl der anzubindenden Systeme, das Rollen- und Rechtekonzept und die Menge an Sonderfällen im Prozess.

Das hängt vom Vertrag ab — und genau deshalb gehört es hinein. Ist nichts geregelt, erhalten Sie im Zweifel nur die Nutzungsrechte, die der Vertragszweck erfordert. Regeln Sie ausdrücklich: ausschließliche Nutzungsrechte, Recht zur Bearbeitung durch Dritte und Herausgabe des Quellcodes samt Dokumentation. Bei mir gehören Quellcode, Datenbank und Infrastruktur nach Projektende dem Kunden.

Von der ersten Anfrage bis zum Start der Entwicklung vergehen meist zwei bis vier Wochen für Klärung, Konzept und Angebot. Ein MVP geht danach in vier bis acht Wochen live, vollständige Systeme brauchen drei bis sechs Monate. Am häufigsten verzögert nicht die Entwicklung, sondern fehlende Rückmeldungen und Testdaten auf Auftraggeberseite.

Hinweis: Die Ausführungen zu Vertrag, Nutzungsrechten und Abnahme geben einen allgemeinen Überblick zum Stand Oktober 2026 und ersetzen keine Rechtsberatung. Für die Gestaltung eines konkreten Vertrags wenden Sie sich an einen auf IT-Recht spezialisierten Anwalt.